Zwischen Nostalgie und Moderne: Ein schriftliches Interview mit Francesco Fanelli
- Leo Bisatz
- 6. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. März
Francesco Fanelli studierte Modedesign an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich. Im folgenden Interview berichtet er von seinem Werdegang, den Herausforderungen eines kreativen Studiums und seiner Herangehensweise an Mode als persönliches Ausdrucksmittel.

1. Du hast Modedesign in Zürich studiert: Wo genau und in welchem Modell? War das ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium? Erzähle uns, wie du diese Zeit rückblickend in Erinnerung hast – vielleicht einprägsame Momente oder besondere Herausforderungen?
Ich habe Modedesign an der F&F Schule für Kunst und Design in Zürich im Vollzeitstudium absolviert. Rückblickend erinnere ich mich an diese Zeit als sehr produktiv und kreativ. Besonders schätzte ich die intensive Auseinandersetzung mit Design und die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Eine der größten Herausforderungen war der soziale Aspekt, da ein Teil meines Studiums während der Corona-Pandemie stattfand. Durch die eingeschränkten persönlichen Kontakte war es für mich wichtig, bewusst an meinen Sozialkompetenzen zu arbeiten, um den kreativen Austausch weiterhin zu fördern. Trotz dieser Hürden habe ich die Zeit als sehr bereichernd und lehrreich erlebt. 2. Nenne zwei prägende Erkenntnisse aus deinem Studium. Welche Einsichten oder Erfahrungen haben dich während des Studiums besonders beeinflusst oder geprägt? Ich erinnere mich gerne an den Anfang des Studiums, als eine Dozentin meinen Umgang mit Worten anhand von Poesie gelobt hat. Dieses Feedback hat mich sehr inspiriert und motiviert, kontinuierlich weiter mit Worten zu spielen und sie in meine kreativen Arbeiten einzubeziehen. Eine weitere prägende Erfahrung war eine Präsentation im dritten Semester, bei der ich sehr viel Lob erhalten habe. Es war für mich ein völlig neues und unerwartetes Gefühl, zu den guten SchülerInnen der Klasse zu gehören – vor allem, da ich zuvor nie ein besonders guter Schüler war. Dieses Erlebnis hat mein Selbstvertrauen gestärkt und mir gezeigt, was ich erreichen kann, wenn ich mich voll und ganz auf etwas einlasse, das mich begeistert.
3. Speedrun Studium: Wie war es aufgebaut? Erkläre kurz und stichwortartig den Aufbau des Studiums. Was lernt man als Modedesign-Student? Nenne die wichtigsten Meilensteine, damit Aussenstehende eine Idee bekommen, was sie erwarten würde.
Das Studium war vielseitig und praxisorientiert aufgebaut.
• Einstieg in den Designprozess: Gestalten von Mindmaps und Moodboards, um kreative Ansätze zu entwickeln und die eigene Vision zu definieren.
• Handwerkliche Grundlagen: Nähen von Grund auf erlernen und ein tiefes Verständnis für Schnittkonstruktionen und -anpassungen entwickeln.
• Praxisprojekte: Jedes Semester arbeitete man an einem Projekt, das am Ende des Semesters präsentiert wurde – eine großartige Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden.
• Theoriefächer: Seminare in Modegeschichte, Kunstgeschichte, Stoffmanipulation, Inszenierung und weiteren Themen, die den kreativen Horizont erweitern.
Abschlussprojekt: Im letzten Semester steht die Diplomarbeit im Fokus. Dabei hat man sechs Monate Zeit, sich intensiv in ein selbstgewähltes Thema zu vertiefen und eine Kollektion zu entwickeln, das die eigenen Fähigkeiten und die persönliche Handschrift widerspiegelt. Das Studium vermittelt eine umfassende Mischung aus Kreativität, handwerklicher Präzision und theoretischem Wissen, die es ermöglicht, sich sowohl gestalterisch als auch konzeptionell weiterzuentwickeln.
4. Welche Tools kannst du für Visualisierungen empfehlen? Wenn es darum geht, Ideen zu visualisieren, sei es digital oder analog: Welche Werkzeuge oder Programme würdest du empfehlen, und wie sollte man idealerweise vorgehen? Ich unterscheide bei der Visualisierung zwischen Prozessvisualisierung und Enddarstellung:
• Prozessvisualisierung: Ich mache schnelle Bilder mit dem Smartphone, um Ideen festzuhalten. Diese Bilder drucke ich aus und klebe sie in mein Arbeitsbuch. So entsteht eine Mischung aus digitaler und analoger Dokumentation, die meinen Arbeitsprozess reflektiert.
• Enddarstellung: Für die Präsentation der finalen Produkte verwende ich dann lieber eine Kamera, um hochwertigere Bilder aufzunehmen. Diese bearbeite ich dann mit Adobe Photoshop, um den letzten Schliff zu verleihen. Dieser Ansatz ermöglicht es mir, während des Prozesses flexibel zu arbeiten und gleichzeitig Einblick in den Prozess zu gewährleisten.
5. Erzähl uns von einem besonderen Projekt, an dem du gearbeitet hast. Welches Projekt aus deiner bisherigen Erfahrung verdient es, in diesem Interview erwähnt zu werden, und warum? Was war deine Rolle dabei, und was macht es für dich besonders?
Meine Diplomarbeit „memoria confusa“(italienisch für verwirrte Erinnerung/verwirrtes Gedächtnis) war bisher meine persönlichste Arbeit. Für dieses Projekt habe ich mich intensiv mit dem Thema Erinnerung beschäftigt – insbesondere mit Nostalgie. Es ging darum, eigene Erlebnisse zu verarbeiten und gleichzeitig den Fokus stärker auf positive Erinnerungen zu lenken. Es war ein Prozess des Abschließens, der Platz für Neues schaffen sollte. Die Kollektion selbst beschreibt diesen emotionalen Ansatz auf eine besondere Weise. In einem Satz habe ich sie so zusammengefasst: „Alle meine erschaffenen Teile sind im übertragenen Sinne meine Tränen, wobei oft in Vergessenheit gerät, dass auch Freudentränen existieren.“ Was das Projekt für mich so besonders macht, ist die Verbindung zwischen persönlichem Ausdruck und Design. Jedes Teil der Kollektion trägt eine Geschichte in sich und zeigt, wie Mode ein Medium sein kann, um Emotionen zu transportieren und zu verarbeiten.

Seine Ausführungen zeigen, dass Mode mehr als blosse Gestaltung sein kann. Wer in diesem Spannungsfeld von Erinnerung und Neuanfang eigene Ideen verwirklichen möchte, findet hier vielleicht erste Impulse für den persönlichen Designweg.
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