Laila Blessano im Austausch mit der Königskammer
- Leo Bisatz
- 9. März
- 3 Min. Lesezeit

Laila Blessano war im schriftlichen Austausch mit der Königskammer und hat ihre Gedanken zur Kunst von heute und morgen geteilt. Sie hat an der ZHdK Fine Arts studiert und beschäftigt sich mit der Frage, was Kunst braucht – konzeptionelle Tiefe, Intuition oder vielleicht beides? Sie schreibt über die Herausforderungen und Möglichkeiten einer künstlerischen Praxis, über den Umgang mit Erwartungen und darüber, wann Erklärungen Kunst bereichern und wann sie ihr im Weg stehen.
Was braucht die Kunst in Zukunft?
Die letzten zweieinhalb Jahre habe ich mich einem Kunststudium gewidmet und bin sehr froh das gemacht zu haben. Ich habe beobachtet, wie mein Denken und mein Anspruch an politische Kunst, kozeptionelle Kunst, reduzierte Kunst mich manchmal in meiner Umsetzung gebremst hat. Ich habe oft nach Worten und Erklärungen gesucht, warum ein Werk so oder so ist, was das Werk will, worauf es sich bezieht. Wichtige und auch frustrierende Prozesse. Ich glaube alle Materialien haben Bedeutung und Wichtigkeit aber manchmal sind Worte, eine Explizierung das was den Zauber wegnimmt. Wir haben so eine Übersättigung an visuellem oder auditivem Inhalt den wir konsumieren, dass wir auch einfach schneller eine Erklärung oder einen Kontext verlangen, oder ansonsten vielleicht nicht mit dem Werk interagieren. Ich kann mir nicht anmassen zu sagen wie Kunst generell mehr oder weniger sein soll, aber für mich freue ich mich im Moment mehr implizite, unerklärte Kunst zu schaffen.

Hat Kunst für Dich eine konkrete Aufgabe?
Having an Artistic Practice means paying attention. Ein Kunstwerk ist das Resultat einer Beobachtung und Übersetzung in eine andere Form, ein Zusammenbringen, Verknüpfen, verbinden von inhaltlichem mit sinnlichem. Kunst schafft neue Assoziationen. Kunstvoll kann einfach ein Prozess der Übersetzung sein, das kann sein, wie eine Person kocht, oder eine andere Fussball spielt. Wenn der eigene Ausdruck zum Vorschein kommen will. Manchmal denke ich, vielleicht ist Kunst die Intellektualisierung von Schönheit und Ästhetik. Das eine ist an Emotion gebunden, das andere and Proportion, Rhythmik. „Modern“/contemporary oder eher „western“ art ist meiner Meinung nach immer mit Intellekt bestück. Konzeptionelle Kunst ist das Höchste. Ohne Konzept oder Kontext ist es nur Dekoration, so scheint es mir. Ich spüre eine starke Ambivalenz in mir diesbezüglich. Ich habe das Gefühl, wenn ich mit dem Studium fertig bin, muss ich bedeutungsvolle Kunst mit Referenzen und viel Intellekt machen. Das Kunstwerk ist dann ein Gefäss, ein „placeholder“ für die Gedanken. Zum einen merke ich diese Erwartung an mich zu haben, weil mir konzeptionelle Kunst selber sehr gefällt, in meiner Praxis die Objekte zu reduzieren und den Research zu verdicken. Zum anderen arbeite ich intuitiv und visuell. Ich möchte etwas erschaffen was ich gerne anschaue, anhöre, fühlen kann und frage mich erst danach, warum. Durch mein Studium habe ich nun nach drei Jahren einen Mittelweg gefunden, der sich wohl in meiner Diplomarbeit am Besten sehen lässt. Ich freue mich schon unglaublich darauf!
Was war deine letzte nachhaltige Erkenntnis?
3. Manchmal denke ich meine künstlerische Praxis dreht sich um die Frage wie meine künstlerische Praxis ist und wie ich sie verstehen kann. Erst kürzlich verstand ich, dass ich den Ort, von dem meine Kunst herkommt, endlich klar in mir lokalisieren kann. Worte im Bezug auf mein künstlerisches Schaffen waren schon immer ein Ringen und Kämpfen. Wie wenn einem das vergessene Wort auf der Zunge liegt. Ich singe das Lied des Schattens, ich interessiere mich für das Übersehene und das Verborgene. Für mythische Gesichten, mystische Wesen und den grundlegend menschlichen Wunsch nach Bedeutung und Sinn.
Wie lässt sich dein Schaffen in fünf Wörtern beschreiben?
Portale, Raum, Korrelation, Conditio Humana, Mysterium und Symbol
Wann ist deine nächste Ausstellung?
Meine nächste Ausstellung ist am 5. und 6. April 2025. Es ist eine Gruppenausstellung und das Resultat der einwöchigen TIDAL Residency in Laax, Schweiz.
Kunst entwickelt sich im Spannungsfeld zwischen Reflexion und Praxis. Laila Blessano hinterfragt, welche Ansprüche an Kunst gestellt werden und wie sie sich zwischen Konzept und Intuition bewegt. Wer ihre Arbeiten sehen möchte: Am 5. und 6. April 2025 zeigt sie Werke im Rahmen der TIDAL Residency in Laax.
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