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Katharina Vonow über wandelnde Wahrnehmung:

Aktualisiert: 23. März

Wie verändert sich eine Stadt aus der Perspektive einer Künstlerin? Katharina Vonow, Malerin und ehemalige Fotografin aus Chur, teilt ihre Eindrücke von der Stadt in den 1980er-Jahren, ihren Weg von der Fotografie zur Malerei und die Bedeutung der künstlerischen Freiheit in ihrem Schaffen.



1.    Erzähl uns, wie hast du Chur in den 1980er-Jahren wahrgenommen? Was hat sich für dich in der Stadt seither verändert, und gibt es etwas, das dir besonders aufgefallen ist?

 

Anhand dieser Fastnachtsfoto, die ich 1986 gemacht habe, kommt mir die Reichsgasse sehr schäbig vor. Chur war für mich keine attraktive Stadt. Sie war vorwiegend eine Beamtenstadt. Ich fand in Zürich eine pulsierende Stadt und Möglichkeiten, als Künstlerin zu arbeiten. Jetzt finde ich Chur lebenswert. Die Menschen sind offener und inspirierender geworden. Das Bündner Kunstmuseum mit seinen Ausstellungen ist ein Beispiel für Kreativität und Lebendigkeit.

Fotos: Katharina Vonow /                                                Abb. Reichsgasse in Chur um 1986
Fotos: Katharina Vonow / Abb. Reichsgasse in Chur um 1986



 

2.    Welche Ausstellung hast du einmal besucht, die dir bis heute im Gedächtnis geblieben ist? Was hat sie so unvergesslich gemacht?

 

Im Rudolfinum in Prag ca. 1993 die erste Ausstellung von Louise Bourgois «The Locus of Memory» mit 26 Skulpturen und Werke auf Papier. Louise Bourgois ist eine Naturgewalt, ein Genie, kompromisslos, sanft, feminin, gewaltätig, unübersehbar. Und ihre Zeichnungen über Sexualität und Geburt, die sie im hohen Alter gemalt hat (zu sehen 2022 im Kunstmuseum Basel, von Jenny Holzer kuratiert «The Violence of Handwriting Across a Page») sind unbeschreiblich archaisch und  bestätigen mich, keine Kompromisse in der Malerei zu machen.

 

 

3.    Wie würdest du deinen Kunststil beschreiben? Was macht deine Werke einzigartig oder anders?

 

Ich verfolge keinen Kunststil. Jedes Bild ist für mich eine Überraschung. Früher war mein Medium die Fotografie. Doch habe ich mich immer mehr nach totaler Freiheit gesehnt. Die Linse braucht Licht und in irgendeiner Form ein Objekt. Mit dem Malen fällt das bei mir weg. Es sind meine inneren Bilder, die sich auf einem Malgrund manifestieren. Das ist das grosse Abenteuer.


 

 

4.    Mit welchem Anspruch gehst du an deine Kunst heran? Was möchtest du mit deinen Werken erreichen oder ausdrücken?

 

Ich leiste es mir, keinen Anspruch mehr haben zu müssen. Das Atelier ist meine Oase. Hier schreibe ich, ich skizziere und es malt. Meistens arbeite ich sehr eruptiv. Es gibt auch Bilder, die lange rumstehen und ich weiss nur, dass es noch nicht stimmt. Irgendwann ist es dann soweit, und es gelingt oder ich grundiere neu.

 

 

5.    Was hast du früher über Kunst gedacht, und wie hat sich deine Sichtweise im Laufe der Jahre verändert? Welche Unterschiede fallen dir auf?

 

Als Kind ging ich oft mit meinen Eltern ins Kunsthaus. Die Farbigkeit und das Geheimnisvolle der Bilder von Augusto Giacometti haben mich immer elektrisiert. Ich sass als kleines Kind Modell bei Anni Vonzun in Chur. Da roch es nach Farbe. Das hat mich nie verlassen.  Zwischen 19 und 20 sah ich im MOMA in New York, Malevich und unendlich viele Kunst aller Art. Auch hier roch Kunst. Und Kunstwerke strahlten Magie aus. Eine Welt die ich auch in den Bergen erlebte. Heute, mit 73 Jahren, bin ich wieder in diesem magischen Raum. Lebe ich wieder in den Bergen. Dazwischen (in den 70igern bis ende 90igern war ich konzeptuell unterwegs. Ansspruchsvoll und ambitiös.

Das Gespräch mit Katharina Vonow gibt Einblicke in eine künstlerische Laufbahn, die von Wandel und Experimentierfreude geprägt ist. Mehr Einblicke in ihr Schaffen bekommt man auf der Homepage: www.katharina-vonow.ch/



Werk von Katharina Vonow
Werk von Katharina Vonow



 

 

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