Attila Wittmer: Diffuses Spannungsfeld zwischen Aussage und Hergang
- Severin König
- 24. Dez. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. März
Bei Künstlern wie Attila Wittmer frage ich mich oft: Was möchten sie eigentlich über sich selbst lesen? Seine Werke werfen diese Frage förmlich zurück – sie wirken auf den ersten Blick wie zufällige, ungeschickte Spielereien, fast unbeholfen und handwerklich uninteressiert. Doch beim zweiten Hinsehen offenbart sich eine irritierende Ernsthaftigkeit, eine bewusste Zuspitzung des Kindlichen, die einen nicht loslässt. Woher kommt diese Haltung, dieses fast trotzig Unperfekte? In diesem Interview gibt Wittmer Antworten, die so vage und dennoch durchdacht sind wie seine Malerei – konkret nur bis zu dem Punkt, an dem die Interpretation beginnt
1. ROSE BUD ist ein wiederkehrender Begriff in Ihrer Portfolio-Sammlung – was können Sie uns darüber verraten?
Rosebud ist der Titel einer Werkserie, die ich letzten Frühling gestartet habe. Diese Werkserie beinhaltet mehrheitlich Zeichnungen und Malereien. Diese Werkserie durfte ich diesen Sommer in der Galerie Paul Hafner in St. Gallen ausstellen. Auf den Titel bin ich gestossen als ich im Jahr 2023 durch das Reservat Rosebud in North Dakota (USA) gereist bin. Das Reservat ist geprägt von Armut und Gewalt. Doch die Landschaft ist reich und mit ihrer endlosen Weite wunderschön. Es klaffen Welten auseinander.
2. Sind männliche Geschlechtsorgane Pistolen?

Zugegeben, sie haben gewisse Gemeinsamkeiten.
3. Gibt es etwas, das dich während des Kunstakts immer begleitet?
Musik! Ich höre sehr gerne immer wieder dasselbe Lied beim Zeichnen. So komme ich in den Zeichnungsflow und es wird mit mir gezeichnet. Ich mag diesen Zustand sehr.
4. Wird durch die zeitgenössische Kunst die Eleganz verwässert?
Hoffentlich! Ich glaube Kunst kann mehr als nur elegant sein. Kunst darf roh, ungefiltert und direkt sein!
5. Ihre Werke wie Ford Cadillac oder BMW, die auf einer Haube dargestellt

sind, wirken auf mich wie eine Zerbröselung der Materialisierung. Was können Sie uns darüber verraten?
Die Motorhaube ist von einer günstigen Automarke und ich labele sie als BMW oder Ford Mustang. In dieser Werkserie interessiert mich der Umgang mit Marken und die damit verknüpften Emotionen des materiellen Besitzes. Aber auch ob es möglich ist mit der Kunst einen neuen Wert zu schaffen.
6. Gibt es einen Moment während einer Ausstellung, der es in dieses Interview schafft?
Ausstellungen zu betrachten ist manchmal wie lesen, es ist Nahrung für die Augen.
Attila Wittmer bleibt auch in seinen Aussagen schwer zu greifen, ähnlich wie in seiner Kunst. Seine Werke verweigern sich der Perfektion, ja, sie scheinen sie regelrecht zu untergraben – und gerade darin liegt ihre Kraft. Das Kindliche, das suchend Unkonkrete, das beinahe verloren wirkende Aufeinandertreffen von Formen und Themen: Es ist eine Einladung, nicht nur die Kunst, sondern auch den Künstler anders zu sehen. Wittmer gibt keine klaren Antworten, weder in seiner Malerei noch in seinen Worten – und vielleicht liegt gerade darin die grösste Wahrheit.
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